Aktionsrahmen / action orientation

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Vielfalt des Widerstands im Rheinland gegen Braunkohleabbau und Klimazerstörung – Vielfalt an Aktionsformen!

Auch dieses Jahr wird es wieder Protest und vielfältige Aktionen im Rheinland geben. Pluralität und Ansatzpunkte auf allen gesellschaftlichen Ebenen zeichnen den Widerstand im Rheinland aus: hier arbeiten Bürger*innen-Initiativen mit Waldbesetzungen zusammen, Klima-Aktivist*innen aus aller Welt mit Umweltverbänden. Daran wollen wir im Zuges des Aktionslabors 2016 anschließen. Denn vor allem diese Bandbreite des Protestes und eine kritische Solidarität zwischen den Akteur*innen machen den Widerstand stark und wirkmächtig.

Das Aktionslabor schafft einen Rahmen, in dem Menschen zusammenfinden und sich in Gruppen gegenseitig bilden; Aktionsideen weiterdenken und neue Interventionsmöglichkeiten ausprobieren können. Das Aktionslabor wird Aktionsformen lediglich dokumentieren und für die Öffentlichkeit aufbereiten. Es überlässt den Aktionsgruppen selbst, zu ihren Aktionen politische Stellung zu beziehen und es freut sich, wenn dies auch passiert! Wir wollen Aktionsgruppen unterstützen, Pressevertreter*innen auf ihre Aktion mitnehmen zu können. Wir wollen als Aktionslabor in der Presse einen exemplarischen Überblick darüber geben, welche Aktionen geschehen sind.

Der folgende Orientierungsrahmen für Aktionen wurde von Menschen geschrieben, die bereits länger im Rheinland aktiv sind, mit dem starken Wunsch, dass sich Gruppen bei ihren Aktionen bestimmter Gegebenheiten bewusst sind und diese in ihrer Aktionsplanung und -durchführung einbeziehen.

 

Orientierungsrahmen für Aktionen:

Einwohner*innen

Wenn wir Aktionen im Rheinischen Braunkohlerevier durchführen, befinden wir uns an Wohnorten und Rückzugsräumen von Einwohner*innen. Sie bekommen zum Teil seit Jahren die verheerenden Auswirkungen des Braunkohleabbaus tagtäglich mit. Ihr gewohntes Umfeld wird zerstört, Dörfer entsiedelt und abgerissen. Oftmals hat das Umfeld bereits eine deprimierende und erdrückende Wirkung, nicht nur durch die planmäßigen Abrissarbeiten von RWE, sondern auch, weil manche Menschen leerstehende Häuser plündern oder sich dort destruktiv austoben.

Wir wollen dagegen in diesen Orten das Leben wieder erwecken oder es erhalten, und dabei mit den Einwohner*innen zusammen arbeiten. Unterstützung von Menschen vor Ort ist eine essentielle Basis für einen wirksamen Widerstand. Bewegungsaufbau heißt hier auch die Beziehungen zu den Anwohnenden zu stärken. Es wohnen auch RWE-Arbeiter*innen in den Dörfern; teilweise mögen sie uns nicht wohl gesinnt sein, jedoch richten wir uns nicht gegen sie oder gewerkschaftliche Organisierung; sehr wohl aber gegen die derzeitige Positionierung der IGBCE und anderer Kohlelobbyverbände.

Denkt also bitte bei euren Aktionsformen an die Anwohnenden und respektiert ihren Bereich sowie die lokale Infrastruktur in den Dörfern. Sie leben dort das ganze Jahr über und tun dies auch nach dem Aktionslabor und Klimacamp.

Leben retten statt Leben gefährden

Uns ist es wichtig, dass bei Aktionen, die rund um das Aktionslabor und Klimacamp geschehen, keine Menschen und andere Lebewesen gefährdet oder verletzt werden. Dazu haben wir auch noch einmal potentielle Gefahrenquellen rund um den Tagebaubetrieb auf einem Extrablatt gesammelt, welches ihr vor und auf dem Camp einsehen könnt.

„Legaler“, nicht räumungsbedrohter Rahmen des Klimacamps

Es ist unser Ziel, dass wir für den Zeitraum des Camps einen sicheren und nicht räumungsbedrohten Aufenthaltsort haben. Es gibt Menschen auf dem Camp, die keinen Polizeikontakt möchten. Lasst uns auf diese Menschen Rücksicht nehmen und ihr Bedürfnis nach einem sicherem Rückzugsort auf dem Klimacamp achten.

Und auch sonst sollten wir uns bewusst machen, dass breit zum Klimacamp und zum Aktionslabor mobilisiert wurde; dass viele Menschen im Rheinland unterwegs sein werden; dass viele Aktionen gleichzeitig stattfinden werden; dass gerade nach den letzten Monaten die Aufmerksamkeit von Repressionsorganen erhöht sein mag. Bezieht das in euren Überlegungen zu Aktionen mit ein.

Vermittelbarkeit von Aktionen

Wie gut unsere Aktionen von Außenstehenden verstanden werden können, hängt häufig auch von der Ästhetik ab, die wir verwenden. Aktionen die auf eine Militanzästethik (wie Feuer und zerstörte Polizeiautos) verzichten, können genauso effektiv in ihrer Blockadewirkung sein und dabei verständlicher für Außenstehende. Daher wünschen wir uns von teilnehmenden Aktionsgruppen auf diese Formen zu verzichten und stattdessen andere Formen der Unschädlichmachung von zerstörerischer Infrastruktur zu finden.

Konfrontation mit Arbeiter*innen und Polizei

Polizei und Securities versuchen regelmäßig uns von unseren Aktionen abzuhalten. Um unsere eigentlichen Aktionen durchführen zu können, müssen wir sie teilweise ablenken und umfließen. Wir wollen, dass dabei von uns keine physische Konfrontation ausgeht.

Kritische Solidarität versus Distanzierung

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Widerstand und Protest kund zu tun und auszuleben. Dabei gibt es nicht immer Einigkeit über die Wirkung und Akzeptanz dieser verschiedenen Formen. Das ist manchmal schwer auszuhalten. Lasst uns versuchen, mit einer Heterogenität umzugehen und in kritischer Solidarität untereinander stehen. Denkt dabei auch daran, ob eure Aktion eine andere vielleicht unmöglich macht. Am Ende wird ein Gesamteindruck der Aktionen rund um das Aktionslabor in den Köpfen der Teilnehmenden, den Anwohner*innen und der restlichen Außenwelt hängen bleiben – wir alle prägen dieses mit unseren Aktionen – ganz gleich für welche wir uns entscheiden und dessen sollten wir uns bewusst sein.

Kritische Solidarität bedeutet für uns, Kritik immer äußern zu dürfen; dass Kritik immer Raum und Beachtung finden sollte. Und wir gleichzeitig in einer Solidarität untereinander mit all jenen stehen, die Protest und Widerstand gegen RWE, Braunkohleabbau und -verstromung leisten und sich für das „Gute Leben“ und gegen den Klimawandel einsetzen!

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Diversity of the resistance against lignite mining and the destruction of the climate – diversity of forms of actions!

Protest and varied actions will once again take place in the Rhineland this year. Diversity and commitment on all different levels of society are a special characteristic of the resistance in the Rhineland: local initiatives work together with forest occupations, climate activists from all over the world work together with environmental organizations. We want to keep this dynamic going within the ActionLab 2016. It’s this range of protest and the critical solidarity between the different actors that make the resistance strong and efficient.

The ActionLab creates a framework for people to come together, for groups to educate one another, to develop action ideas and put new possibilities for intervention to the test. The ActionLab itself will only document actions and make them accessible for the public eye. But it’s up to the action groups themselves to make a political statement about their action – and the ActionLab is glad if people do that! We want to support action groups if they want to take journalists to their action. We as the ActionLab want to give an overview of examples of which actions have happened.

The following framework for orientation when doing actions was written by people who have been active in the Rhineland for quite some time. It bears the hope that groups are aware of certain circumstances when planning and doing their actions.

Orientation framework for actions:

Locals

When we do actions in the the Rhenish lignite mining area, we find ourselves in the places of residence and the safe havens of the residents. Some of them have been witness to the devastating consequences that coal mining has on a daily basis for years. Their familiar surroundings are destroyed, villages are depopulated and torn down. Oftentimes the surroundings themselves have an depressing and overwhelming effect, not only due to RWE’s planned demolition work, but also because some people are plundering the empty houses or causing a riot.

Instead, we want to make these places come back to life, at least a little, or keep them alive – and do so working together with the inhabitants. Supporting local communities is an essential ingedient of efficient resistance. Here, movement building also means strengthening the relationships with the local residents. There are also RWE workers living in the villages who might not have the best in mind for us. But we do not oppose them personally or their organisation in workers‘ unions in general; nevertheless we oppose the current position of the union IG BCE and other coal lobbyist organisations.

Please keep the locals in mind when thinking about your forms of action, respect their space and the local infrastructure of their villages. They live there all year round and want to keep doing that, also after the ActionLab and the Climate Camp.

Saving lives instead of endangering them

It is important to us that no people or other living beings are harmed or endangered by actions that happen in the context of the ActionLab and the Climate Camp. We have put together a list of potential hazards around mining operations. This list is on an extra sheet, which you can read before or during the camp.

Climate Camp as a legal retreat

We definitely want the camp to be a secure space that is not threatened by eviction during the entire time it is taking place. There are people at the camp who don’t want to be in contact with police. Let’s show consideration for these people and attend to their need for a safe retreat at the climate camp.

We should also be aware of how broadly people mobilised to the Climate Camp and the ActionLab, that many people are under way in the Rhineland, many actions will happen simultaneously and that the last months might have led the repression agencies to be more attentive. Include these points when considering actions.

Communicability of actions

How well bystanders are able to understand our actions depends a lot on the aesthetics we use. Actions that do not employ a militant aesthetic (like fire or destroyed cop cars) can be just as effective as a blockade, but be better understandable for bystanders. Hence, we’d wish for participating action groups to abstain from these forms of action and find other forms to render destructive coal infrastructure harmless.

Confrontation with workers and the police

Police and security workers frequently try to keep us from doing actions. To be able to execute the actions nonetheless we sometimes might need to distract them or flow around them. We don’t want ourselves to be the origin of bodily confrontation, though.

Critical solidarity vs. Distancing oneself

There are very many different possibilities of declaring and living one’s resistance and protest. People don’t always agree on the effect and the acceptance towards these different forms of actions. Sometimes that can be hard to deal with. Let’s try to deal with these differences and show one another critical solidarity. You should also consider whether your action makes another action impossible. In the end, participants, residents and the public will have a memory of an overall impression of the actions around the ActionLab. All of us influence this impression with the actions we do, no matter what we decide to do. Be should all be aware of that.

To us, critical solidarity means to be able to state criticism at all times, that there should always be room and recognition for it. At the same time we are in solidarity with everyone who put up resistance or protest against RWE, lignite mining and its conversion into electricity and who stand up for the “Good Life“ and against climate change!

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